Psychische Fehlbeanspruchung bei Rettungsdienstmitarbeitern in Deutschland

Prävalenz und Handlungsempfehlungen zur Prävention

Rettungsdienstmitarbeitende in Deutschland sind in ihrem Arbeitsalltag vielfältigen psychischen Belastungen ausgesetzt, denn neben der Einsatztätigkeit wird dieser auch durch weitere Aufgaben, die Arbeitsorganisation sowie das soziale Umfeld geprägt. Abhängig von den individuellen Ressourcen können sich aus Belastungen positive Effekte oder negative Fehlbeanspruchungen entwickeln. Neben den Mitarbeitenden im Fahrdienst werden auch die Leitstellenmitarbeitenden im Rahmen dieser Arbeit berücksichtigt, um ein umfassendes Bild für die im Rettungsdienst Beschäftigten darzulegen.

Ziele der vorliegenden Arbeit sind, zum einen die Höhe der aktuellen Prävalenz psychischer Fehlbeanspruchung bei Rettungsdienstmitarbeitenden in Deutschland zu ermitteln sowie zum anderen zu recherchieren, wie entsprechende Präventionsmaßnahmen im Setting Rettungsdienst erfolgreich umgesetzt werden können.

Da es wenige Studien gibt, aus denen die psychische Fehlbeanspruchung von Rettungsdienstmitarbeitenden in Deutschland abgeleitet werden kann, wurde eine Onlinebefragung mittels Burnout-Mobbing-Inventar durchgeführt. Diese kann eine Prävalenz psychischer Fehlbeanspruchung in der untersuchten Berufsgruppe bei ca. 6 % der Befragten sowie eine entsprechende Tendenz bei weiteren knapp 28 % feststellen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass zwei Drittel der Befragten trotz psychischer Belastungen keine beeinträchtigenden psychischen Folgen davontragen.

Mittels Literaturanalyse wird die Frage beantwortet, wie Präventionmaßnahmen psychischer Fehlbeanspruchungen bei Rettungsdienstmitarbeitenden in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden können. Die Folgen psychischer Fehlbeanspruchungen haben weitreichende Konsequenzen auf das Leben und die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden. Daher muss es im Interesse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern liegen, Präventionsmaßnahmen erfolgreich umzusetzen. Unter anderem konnten Aspekte wie

  • Partizipation und Empowerment,
  • Zielgruppenbezug und Setting,
  • Maßnahmen- und Kostenplanung sowie
  • Schwerpunkte aus dem Qualitätsmanagement

als Erfolgsfaktoren für Präventionsmaßnahmen identifiziert werden. Diese werden in der vorliegenden Arbeit anhand von praxisnahen Beispielen erläutert.

Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung, Zielsetzung und Fragestellung …1
2 Rettungsdienst in Deutschland …2
2.1 Gesetzliche Regelungen …3
2.2 Rettungsdienstmitarbeiter …3
2.3 Rettungsleitstelle …6
3 Begriffsdefinition …6
3.1 Psychische Belastung und Fehlbeanspruchung …6
3.2 Stressmodelle …7
3.3 Burnout-Syndrom, Boreout, Mobbing …7
3.4 Prävention …8
4 Psychische Belastung im Rettungsdienst …8
4.1 Tätigkeitsbezogene Belastungen …9
4.1.1 Unterforderung …9
4.1.2 Unerfüllte Erwartungen, Frustration, Langeweile und Bewegungsmangel …9
4.1.3 Überforderung …10
4.1.4 Anspannung und Ungewissheit …10
4.1.5 Alltägliche Einsätze …10
4.1.6 Extrem belastende Einsätze …11
4.1.7 Schnittstellenprobleme …13
4.2 Arbeitsorganisation …13
4.2.1 Schichtdienst …13
4.2.2 Unterbrechungen …14
4.2.3 Regulationshindernisse …14
4.2.4 Pause und Ernährung …14
4.2.5 Banalbelastungen …15
4.2.6 Räumlichkeiten …15
4.3 Soziales Umfeld am Arbeitsplatz …15
4.4 Berufspolitische Belastungen …16
4.5 Exkurs: Psychische Belastungen von Leitstellenmitarbeitern …16
4.6 Folgen psychischer Belastungen …17
5 Methodisches Vorgehen …20
5.1 Befragung …20
5.2 Systematische Literaturrecherche …20
6 Prävalenz psychischer Fehlbeanspruchung im Rettungsdienst …28
6.1 Analyse vorliegender Studien …28
6.2 Ergebnisse der Befragung …29
6.2.1 Beschreibung der Stichprobe …29
6.2.2 Auswertung der Skalenwerte …33
6.2.3 Auswertung der offenen Frage „…was belastet Sie psychisch negativ?“ …38
6.2.4 Hinweis auf Bias …41
6.3 Fazit …41
7 Prävention psychischer Fehlbeanspruchungen …42
7.1 Faktoren für eine erfolgreiche Umsetzung …42
7.2 Präventionsmaßnahmen …46
7.2.1 Verhaltensorientierte Maßnahmen der Primärprävention …46
7.2.2 Verhältnisorientierte Maßnahmen der Primärprävention …47
7.2.3 Maßnahmen der Sekundärprävention …48
7.2.4 Maßnahmen der Tertiärprävention …49
7.3 Handlungsempfehlungen zur erfolgreichen Umsetzung …49
7.3.1 Partizipation und Empowerment der Mitarbeiter …49
7.3.2 Definition der Zielgruppe und des Settings …50
7.3.3 Zielsetzung …51
7.3.4 Hürden und deren Abbau …52
7.3.5 Maßnahmenplanung …53
7.3.6 Kostenplanung, Kosten-Wirksamkeitsverhältnis, Fördermöglichkeiten …55
7.3.7 Zeitplanung …56
7.3.8 Qualitätsmanagement, Dokumentation und Evaluation …56
8 Schlussbetrachtung …59
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